Wo kein Zuhörer vorm Busserl sicher ist

41. G’stanzlsängertreffen begeisterte Publikum – Organisator Hans Wax macht Schluss
   

Auch das 41. Schierlinger G’stanzlsängertreffen war wieder ein ganz besonderes Erlebnis für die Freunde guter Volksmusik. Aus nah und fern strömten sie am 11. März nach Schierling und füllten den Aumeiersaal bis auf den letzten Platz. Hochzeitslader, Sänger und Musikanten unterhielten dreieinhalb Stunden lang die Besucher. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung vom stellvertretenden Bezirksheimatpfleger Hans Wax, der nicht nur die Musikanten vorstellte und den Abend mit Mundartgeschichten und Vierzeilern von Josef Fendl immer wieder auflockerte, sondern auch diesmal wieder selber als Musikant und Sänger auf der Bühne stand. Einige Musiker ließen bei ihren Auftritten durchblicken, was am Ende für viele überraschend offiziell bekannt gegeben wurde: Für Hans Wax war dies das letzte Schierlinger G’stanzlsingen als Organisator.

Die Tanngrindler Musikanten spielten auf und begleiteten die G’stanzlsänger.

Mit einem Marsch spielten die „Tanngrindler Musikanten“ die Künstler in den Saal und Hans Wax freute sich eingangs seiner Begrüßung über den Umstand, dass auch diese 41. Auflage des Schierlinger G’stanzlsängertreffens wieder ausverkauft war.

Den Auftakt bestritten Uschi, Bettina und Franz Rappl, besser bekannt unter dem Namen „De 3 Andern“. Seit 25 Jahren sind sie ein Begriff in der ostbayerischen Volksmusikszene und nach sieben Jahren Pause waren sie heuer wieder einmal in Schierling mit dabei. Ihre Darbietungen enthalten schon mal derbe Texte und fallen etwas in den Bereich „Kleinkunst“. Und dass hier Gestik und Mimik der Akteure die Applaus-Reaktion im Publikum beeinflussen, ist hinlänglich bekannt. Der beste Beweis dafür war am Samstagabend Franz Rappl, der bei seinen Anekdoten und Witzen mit langgezogenem oberpfälzer Dialekt das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Das Trio animierte das Publikum des Öfteren zum Mitsingen und schaffte es auch, dass Bürgermeister Christian Kiendl zum Schluss eine Runde Schnaps für alle Musikanten auf die Bühne stellte.

Bettina, Uschi und Franz Rappl (von links) stehen als „De 3 Andern“ seit 25 Jahren auf der Bühne.

Andere Töne stimmte die siebenköpfige Regensburger Formation „Borduniak“ an, bei der auch Hans Wax mitspielt. Die Gruppe widmet sich in ihren Vorträgen einem besonderen Kapitel der Heimat- und Volksmusikgeschichte. Neben Instrumenten wie Geige, Harfe, Ziach und Kontrabass haben sie auch eine Drehleier und zwei böhmische Dudelsäcke im Gepäck – Instrumente, die heutzutage nur noch selten zu finden sind.

Die Gruppe „Borduniak“ mit teilweise ausgefallenen Instrumenten.

Mit Renate Meier, Hans Schwarzensteiner, Franz Kellermeier und Benedikt Weber waren heuer vier G’stanzlsänger vertreten. Bei deren Soloauftritten bekamen nicht nur der Bürgermeister, Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl oder der Zeitungsschreiber ihr Fett weg, sondern auch mitwirkende Musikanten und einige Zuhörer. Ein größerer Bauch, lichtes Haar, die Kleiderauswahl oder abgetragene Stiefel bewogen die Sänger, einzelne Personen mit ihren Vierzeilern zu derblecken, ohne jedoch ausfallend oder entwürdigend zu wirken.

Den Reigen dieser Akteure eröffnete die einzige ostbayrische Hochzeitsladerin, Renate Meier. Sie erwies sich, wie auch ihre männlichen Kollegen, als exzellente Witzerzählerin und sorgte mit ihrer Erzählung über die Geschehnisse beim Frauenbund ihres Heimatdorfes für den „Brüller“ des Abends. Mit ihren G’stanzln nahm sie zuerst die musikalischen Mitstreiter auf der Bühne und den Tontechniker Andrč ins Visier. Von letzterem ersang sie sich dann noch ein „Busserl“. Zum Derblecken spazierte sie auch durch die Reihen der Zuschauer. Dabei sang sie auf Höhe zweier Blondinnen etwas langsamer damit „diese auch kapieren, worum’s beim G’stanzl geht“. Einen Zuhörer nahm sie sogar mit auf die Bühne, der ihren Vortrag „Hasi-Mausi-Schnucki-Litanei“ mit seiner Körpersprache unterstützen sollte, was Florian Brattinger zum Amüsement des Publikums bestens meisterte. Auch beim Versuch, sich von ihm ein Busserl zu ersingen, zog er sich gut aus der Affäre.

Florian Brattinger zog sich beim „Busserlbetteln“
von Renate Meier gut aus der Affäre.

Hans Wax war nicht nur Moderator, er
begeisterte auch wieder als Musikant und Sänger.

Hans Schwarzensteiner zeigte sich bei seinen G’stanzln gut informiert über die Personalien im Schierlinger Rathaus. Diese verpackte er charmant in witzige Vierzeiler. Zum Erbetteln von Freibier suchte er sich den Zuhörer aus, den Renate Meier schon auf die Bühne geholt hatte. Der blieb aber diesmal hart und so sprang der ehemalige Dorfpolizist Walter Piendl ein und spendierte ihm eine Maß.

Wegen Terminüberschneidung konnte der angekündigte Hochzeitslader Sepp Danner heuer nicht nach Schierling kommen. Für ihn sprang kurzfristig Franz Kellermeier aus Schwarzach ein. Dieser eher ruhige Vertreter der Zunft der G’stanzlsänger beschränkte sich bei seinem Soloauftritt auf allgemeine Vierzeiler, ohne jemanden näher treten zu wollen.

Pfiffiger war da schon das Programm von Bene Weber. Seine Witze waren echte „Kracher“ und auch er mischte sich unter die Zuschauer. Dabei wollte er vom Zeitungsschreiber gar nicht mehr ablassen. Letztlich suchte er sich doch andere „Opfer“, „um beim Pressebericht nicht runter gebuttert zu werden“.

Bene Weber, Hans Schwarzensteiner und Franz Kellermeier beim „Aussingen“.

Als Höhepunkt des Sänger- und Musikantentreffens gilt alljährlich das „Aussingen“. Ob klassische Vierzeiler oder abgesetzte G’stanzln, jeder der Akteure verstand es, auf den vorgegebenen Satz zu reimen und zu kontern. In der ersten Partie mit Renate Meier und Hans Schwarzensteiner richteten sich die Anspielungen gegeneinander auf den gewichtigen Körperbau von der Renate und die Manneskraft vom Hans. Aber auch das Publikum in den ersten Reihen wurde „derbleckt“. In die große Politik schweifend wussten beide, dass man Merkel und Schulz zusammenschrauben muss, um einen großen Präsidenten wie Donald Trump zu schaffen.

Beim Trio Weber, Schwarzensteiner und Kellermeier zählte Bene Weber seine Mitstreiter wegen ihres Alters an. Er forderte sie auf, bald heimzufahren, weil im Altersheim die Türen abgeschlossen werden. Später wandelte er seine Reime an beide in Komplimente um. Die drei suchten sich auch bald Leute im Publikum für ihren gesanglichen Spott aus, komischerweise traf es immer wieder dieselben Zuhörer. Die nahmen es aber mit Humor und alle anderen hatten ihren Spaß daran.

Bürgermeister Christian Kiendl (links) dankte Hans Wax mit einem „Schierlinger Korb“.

Das Schlusswort an diesem Abend hatte ausnahmsweise nicht der Moderator, sondern Bürgermeister Christian Kiendl. Zusammen mit Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl dankte er Hans Wax für sein neunjähriges Engagement beim Schierlinger G’stanzlsängertreffen. Dabei würdigte er die stets perfekte Organisation und Moderation von Wax und dankte ihm mit einem „Schierlinger Korb“. Der Bürgermeister versprach, dass die Tradition des Schierlinger G’stanzlsängertreffens weiter geführt werde. Mit wem an der Spitze und in welchem Format, das werde man noch erarbeiten.

   


<< ZURÜCK << Text und Fotos: Robert Beck

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<< ZURÜCK << Fotos: Roswitha Geiger

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